Abgrenzung Wegkategorien

Wanderwege werden gemäss der Schweizer Norm SN 640 829a «Strassensignale - Signalisation Langsamverkehr» in die Kategorien Wanderweg, Bergwanderweg und Alpinwanderweg eingestuft. Die Norm definiert für jede Kategorie charakteristische Weg- und Geländemerkmale sowie Anforderungen an die Fähigkeiten und die Ausrüstung der Benutzer. Diese Definitionen gelten als verbindliche Vorgaben für die Kategorisierung von bestehenden und neuen Wanderwegen. Die Signalisierung im Gelände entspricht dem Eintrag im Wanderwegnetzplan. Sie erfolgt gemäss Wegverlauf und Wegbeschaffenheit im Gelände und berücksichtigt die Wanderziele gemäss Verlauf der technischen Routen.

Verantwortlich für die Einordnung ihrer Wanderwege in die Wegkategorien ist die für die Wanderwegnetzplanung zuständige kantonale Fachstelle oder kommunale Behörde.

 

 

1. Die Wanderwegkategorien

2. Grundsätze für die Kategorisierung

3. Wann bedarf es fachlicher Beurteilung im Gelände?

4. Vorgehen einer fachlichen Beurteilung

 

1. Die Wanderwegkategorien

  • Wanderwege sind allgemein zugängliche und in der Regel für zu Fuss Gehende bestimmte Wege. Sie verlaufen möglichst abseits von Strassen für den motorisierten Verkehr und weisen möglichst keine Asphalt- oder Betonschicht auf. Steile Passagen werden mit Stufen überwunden und Absturzstellen werden mit Geländern gesichert. Fliessgewässer werden auf Stegen oder Brücken passiert. Wanderwege stellen keine besonderen Anforderungen an die Benutzer. Die Signalisation der Wanderwege ist gelb.
  • Bergwanderwege sind Wanderwege, welche teilweise unwegsames Gelände erschliessen. Sie sind überwiegend steil und schmal angelegt und teilweise exponiert. Besonders schwierige Passagen sind mit Seilen oder Ketten gesichert. Bäche sind unter Umständen über Furten zu passieren. Benutzer von Bergwanderwegen müssen trittsicher, schwindelfrei und in guter körperlicher Verfassung sein und die Gefahren im Gebirge kennen (Steinschlag, Rutsch- und Absturzgefahr, Wetterumsturz). Vorausgesetzt werden feste Schuhe mit griffiger Sohle, der Witterung entsprechende Ausrüstung und das Mitführen topografischer Karten. Die Wegweiser sind gelb mit weiss-rot-weisser Spitze, Bestätigungen und Markierungen sind weiss-rot-weiss.
  • Alpinwanderwege sind anspruchsvolle Bergwanderwege. Sie führen teilweise durch wegloses Gelände, über Schneefelder und Gletscher, über Geröllhalden, durch Steinschlagrunsen oder durch Fels mit kurzen Kletterstellen. Bauliche Vorkehrungen können nicht vorausgesetzt werden und beschränken sich allenfalls auf Sicherungen von besonders exponierten Stellen mit Absturzgefahr. Benutzer von Alpinwanderwegen müssen trittsicher, schwindelfrei und in sehr guter körperlicher Verfassung sein und den Umgang mit Seil und Pickel sowie das Überwinden von Kletterstellen unter Zuhilfenahme der Hände beherrschen. Sie müssen die Gefahren im Gebirge kennen. Zusätzlich zur Ausrüstung für Bergwanderwege werden Höhenmesser und Kompass, für Gletscherüberquerungen Seil und Pickel vorausgesetzt. Die Wegweiser sind blau mit weiss-blau-weisser Spitze, Bestätigungen und Markierungen sind weiss-blau-weiss. Die Informationstafel Alpinwanderweg weist am Weganfang auf die besonderen Anforderungen hin.

 

2. Grundsätze für die Kategorisierung

  • Die signalisierte Wegkategorie sollte mit den realen Wegverhältnissen übereinstimmen. Es darf keine grössere Diskrepanz gegenüber dem tatsächlichen Wegcharakter bestehen. Die Definitionen der Wegkategorien gelten dennoch aufgrund ihrer Formulierungen nicht als absolute Grenze. Der Charakter des Weges und der Umgebung können sich auf das Sicherheitsgefühl und das Verhalten der Wandernden entsprechend auswirken und die Einstufung in eine höhere oder tiefere Kategorie rechtfertigen.
  • Massgebend für die Bestimmung des Wegcharakters sind die Breite des Wegkorridors, die Längsneigung des Weges, die Beschaffenheit der Wegoberfläche und die Sicherungsmassnahmen im Zusammenhang mit der Umgebung (Exposition, talseitige Hangneigung und -länge). Ist der Verlauf eines Wegabschnitts inhomogen, sollten diejenigen Verhältnisse charakterisierend sein, welche deutlich überwiegen (Gesamtcharakter des Weges). Eine kurze steinschlaggefährdete Passage auf einem ansonsten gewöhnlichen Wanderweg (gelb) macht aus diesem noch keinen Bergwanderweg.
  • Weist ein Wegabschnitt vereinzelt Stellen auf, die deutlich anspruchsvoller sind als der Rest des Weges, sollten diese durch angemessene Massnahmen vor Ort entschärft werden, etwa mittels kleinräumiger Wegverlegungen oder baulicher Vorkehrungen. Sind Schutzmassnahmen im Rahmen des Zumutbaren nicht möglich, kann je nach Zielpublikum und Nutzungsfrequenz mit der höheren Wegkategorie signalisiert werden. Ausnahmsweise kann anstatt einer höheren Einstufung des Weges eine Warntafel zweckmässig sein, um die Wandernden in unmissverständlicher Weise auf die bevorstehende Situation aufmerksam zu machen.
  • Ist ein Weg wegen (einer) anspruchsvollen Stelle höher kategorisiert worden (Wanderweg als Bergwanderweg oder Bergwanderweg als Alpinwanderweg), empfiehlt sich eine Rückstufung in die tiefere Kategorie, verbunden mit einer Entschärfung der anspruchsvollen Stelle.
  • Um eine möglichst durchgehende Übereinstimmung der signalisierten Wegkategorie mit den realen Wegverhältnissen zu erreichen, können Routen mittels eines zusätzlichen Zwischenziels oder mit dem Verschieben eines bestehenden Zwischenziels in Abschnitte mit homogenem Wegcharakter unterteilt werden. Die Wegkategorie sollte entlang einer Route jedoch nicht mehr als zweimal wechseln. Gleichzeitig gilt es darauf zu achten, dass die gesamte Route die Qualitätsanforderungen weiterhin erfüllt. Eine Veränderung vom Routenverlauf kann ebenfalls zum gleichen Ziel führen.

 

3. Wann bedarf es fachlicher Beurteilung im Gelände?

Wanderwegverantwortliche dürfen im Grundsatz davon ausgehen, dass die im kantonalen Wanderwegplan eingetragene Wegkategorie das reale Anforderungsniveau eines Weges korrekt abbildet. Eine Überprüfung vor Ort ist nur dann notwendig, wenn ein konkreter Anlass besteht, die Richtigkeit des Planeintrags in Frage zu stellen, z.B.:

  • Es liegt eine Meldung vor, dass eine Stelle anspruchsvoller oder risikoreicher sei, als es bei der signalisierten Wegkategorie zu erwarten wäre.
  • Die im Gelände signalisierte Wegkategorie stimmt nicht mit dem Eintrag im Wanderwegplan überein.
  • In den Wanderwegplänen benachbarter Kantone ist dieselbe Wegstrecke unterschiedlichen Kategorien zugeordnet.

 

4. Vorgehen einer fachlichen Beurteilung

Zunächst ist es ist empfehlenswert, jeden Beurteilungsschritt vom Entscheidungsprozess nachvollziehbar zu dokumentieren, auch wenn keine Kategorieänderung geschieht. Dazu dient diese Protokollvorlage.

 

Schritt 1: Beurteilung des betroffenen Wegabschnitts (Wegcharakter, Schlüsselstellen, besondere Wegsituationen)

 

Schritt 2: Massnahmenentscheid. Die folgenden Massnahmen sind zu prüfen:

  • Verschieben eines Zwischenziels oder Einführen eines zusätzlichen Zwischenziels, um den inhomogenen Abschnitt in zwei Abschnitte mit gleichem Anforderungsniveau zu unterteilen.
  • Bauliche Massnahmen zur Entschärfung der anspruchsvollen Stellen (z.B. Wegverbreiterung, Absturzsicherung, Stufen etc.) oder zur Niveauangleichung zwischen den besonderen Wegsituationen und dem gesamten Wegcharakter
  • Wegverlegung, um die anspruchsvollen Stellen oder die besonderen Wegsituationen zu umgehen.

Der Entscheid, welche Massnahmen realisiert werden sollen, ist letztlich eine Frage der Verhältnismässigkeit und Zumutbarkeit. Je nach den konkreten Umständen hat der Wegverantwortliche in seiner Risiko- und Interessenabwägung einen mehr oder minder grossen Ermessensspielraum.


Schritt 3: Festlegung der Wegkategorie

Anhand der Informationen, die in den Schritten 1 und 2 ermittelt wurden, werden die Kategorie oder die Kategorien des gesamten Wegabschnitts festgelegt. Führt der Entscheid zu einer Änderung der Wegkategorie, muss die Signalisierung im Gelände entsprechend angepasst werden. Der Wanderwegnetzplan ist jeweils nachzuführen.

Falls in Ausnahmefällen keine Niveauangleichung des Schwierigkeitsgrades über den gesamten Wegabschnitt erreicht werden kann, erfolgt die Zuweisung der Wegkategorie anhand der Anforderungen der Schlüsselstelle.

In folgenden Fällen von Wanderwegen (gelb), die von ihrem Gesamtcharakter her im Grenzbereich zum Bergwanderweg liegen, ist eine Einteilung in die Kategorie Bergwanderweg jedoch nicht sinnvoll:

  • Wege im Flachland
  • Wege mit Anforderungsniveau «Wanderweg», auf denen als einzige Besonderheit ein Steinschlagrisiko besteht

Allenfalls kann eine Warntafel vor den anspruchsvollen Stellen zweckmässig sein. Erweisen sich Schutzmassnahmen an sich als notwendig, jedoch insgesamt als nicht zumutbar, sollte der Weg als Bergwanderweg signalisiert werden.

Weist ein Weg Stellen auf, welche die in der Kategorie Alpinwanderweg zu erwartenden Anforderungen und Risiken deutlich übertreffen und lassen sich diese nicht entschärfen, muss der Wegabschnitt aus dem Wanderwegplan gestrichen und die Signalisation entfernt werden.

 

 

 

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