Gewässer- & Grabenquerung

 

Gewässer und zeitweise Wasser führende Gräben sollen sicher und mehrheitlich trocken passiert werden können. Die Massnahmen zur Gewässer- und Grabenquerung müssen einerseits auf die maximalen Abflussmengen, andererseits auf die Anforderungen der jeweiligen Wegkategorie abgestimmt werden. In der Regel werden (gemäss SN 640 829a) Fliessgewässer bei gelb markierten Wanderwegen auf Stegen oder Brücken passiert, bei Bergwanderwegen auch über Furten oder Trittsteine. Bauwerke für die Gewässerquerung sind bewilligungspflichtig.

 

 

1. Trittsteine


Trittsteine sind die einfachste Lösung, um ein Gewässer zu queren. Sie sollten auf Grund der Anforderungen an die Wandernden zurückhaltend eingesetzt werden und eignen sich nur für kleinere Gewässer ohne Mitreissgefahr mit wenig schwankendem Wasserstand. Trittsteine werden im Bachbett im Abstand von 0,6 bis 0,8 m verlegt.

 

 

2. Furten


Furten sind natürliche oder künstlich erzeugte Untiefen, bei denen ein Gewässer zu Fuss durchquert werden kann. Auf Wanderwegen eignen sich Furten für Gewässer mit einem Niederwasserstand von weniger als 10 cm und geringen Schwankungen. Eine Furt sollte möglichst breit sein, damit sich das Wasser auf eine grosse horizontale Fläche verteilen kann. Dadurch kann die Wassertiefe gering gehalten werden. Furten werden idealerweise mit Natursteinen aus der Umgebung gepflastert. Bei der Verwendung von Zement ist Vorsicht geboten, da Zementwasser für Wasserlebewesen giftig ist.

 

 

3. Bachdurchlässe


Bachdurchlässe sind Rohre aus Beton, Wellstahl oder Kunststoff, die quer zum Weg eingegraben werden. Sie eignen sich für kleine Gewässer mit geringen Schwankungen der Abflussmengen und geringer Geschiebefracht. Durchlässe sollten immer grosszügig dimensioniert werden, da sie anfällig sind für Verstopfungen. Ein regelmässiger Unterhalt ist notwendig.

 

 

4. Fussgängerbrücken bis fünf Meter


Fussgängerbrücken erfordern eine sorgfältige Planung und eine einwandfreie Ausführung. Sie sind arbeits- und materialaufwändig und müssen regelmässig kontrolliert und unterhalten werden. Für Brücken grösserer Spannweiten als 5 m, Hängebrücken sowie für Brücken, die auch von Fahrzeugen, Reitern oder Vieh benützt werden, empfehlen wir eine Ingenieurbauweise basierend auf den relevanten Normen (u. a. SIA 261, 263, 265).

Im Handel werden Brücken aus Holz und Metall mit Fertigbauelementen abgeboten.


Bei der Standortwahl für Fussgängerbrücken stehen zwei Kriterien im Vordergrund:

  • Das Gewässer bzw. der Graben soll am gewählten Standort möglichst schmal sein.
  • Es müssen geeignete Stellen für die Widerlager vorhanden sein.

Ungeeignete Standorte sind erosionsgefährdete Ufer, insbesondere Bachkrümmungen, weil dort die Böschungen an der Kurvenaussenseite unterspült werden.

 

 

Dimensionierung und Ausbaustandards
Zwischen der Unterkante der Brücke und dem erwarteten Hochwasserpegel muss ein Freibord (Sicherheitsabstand) vorhanden sein, um Überflutungen und Verklausungen von Schwemmholz zu vermeiden. Die Dimensionierung des Freibordes sollte mit der zuständigen Bewilligungsbehörde abgesprochen werden.


Die Breiten von Fussgängerbrücken entsprechen den empfohlenen Mindestbreiten der jeweiligen Wanderweg-Kategorie. Für das Anbringen von Brückengeländern gelten folgende Empfehlungen:

  • In der Regel kein Geländer entlang von gelb markierten Wanderwegen bei einer Höhe von weniger als 1 m ab Boden, bei wenig exponierten Querungen auf Bergwanderwegen sowie auf Alpinwanderwegen
  • Einseitiges Geländer auf den übrigen gelb markierten Wanderwegen sowie bei exponierten Querungen auf Bergwanderwegen
  • Beidseitiges Geländer bei exponierten Querungen (Schluchten, reissende Bäche etc.) auf gelb markierten Wanderwegen.

 

 

 

Widerlager
Widerlager sollten auf stabilem, trockenem Untergrund erstellt werden. Ein angemessener Abstand zur Uferlinie verhindert Unterspülungen. Widerlager bestehen meist aus Steinblöcken, Steinkörben oder Beton. Holz ist weniger geeignet, da es unter wechselfeuchten Bedingungen rasch morsch wird, kann aber alternativ auch eingesetzt werden. Wo ungünstigen Bodenverhältnissen nicht ausgewichen werden kann, muss der Baugrund stabilisiert werden. Bewährt hat sich das Ersetzen des instabilen Untergrundes durch Kiessande, Steinblöcke oder Steinkörbe. In Moorgebieten wird aus Naturschutzgründen auf solche Eingriffe verzichtet. Stattdessen können Holzpfähle eingerammt werden, was in diesem Fall ebenso dauerhaft ist, da der saure Moorboden das Holz konserviert.

 


Oberbau
Die Oberbauten von Fussgängerbrücken sind oft reine Holzkonstruktionen. Holz hat gegenüber Metall den Vorteil, dass es in der Region bezogen und mit einfachen Mitteln bearbeitet werden kann. Auf Wanderwegen verbreitet sind Fussgängerbrücken mit zwei Längsträgern aus Rundhölzern mit Durchmessern von 20 bis 30 cm. Als Längsträger kommen gelegentlich auch feuerverzinkte Stahlträger zur Anwendung (Angaben des Herstellers zur Belastbarkeit beachten!).

Geeignete Materialien für die Gehfläche sind Rundhölzer oder halbierte Rundhölzer mit einem Durchmesser von ca. 10 cm sowie Holzbretter mit Stärken von 5 bis 6 cm. Um die Rutschfestigkeit zu gewährleisten, können Gehflächen aus Rundhölzern mit einer dünnen Kiesschicht belegt werden. Als Belag für ebene Gehflächen eignen sich Drahtgeflecht (Streckmetall) oder ein Gemisch aus Splitt und Epoxidharz.


Um Fäulnis vorzubeugen, müssen Fussgängerbrücken aus Holz so konstruiert sein, dass sie nach Niederschlägen rasch abtrocknen. Dies gilt besonders für die Längsträger. Je kleiner die Kontaktfläche zwischen den Holzteilen ist, desto geringer ist die Gefahr von Staunässe. Längsträger mit rundem Querschnitt sind deshalb besonders vorteilhaft. Bei Längsträgern mit rechteckigem Querschnitt können die Kontaktflächen zu den Querhölzern mittels einer schmalen Holzleiste minimiert werden. Je nach Konstruktionsart können Längsträger und Gehfläche auch durch Bahnen aus Polymerbitumen geschützt werden. Bei Längsträgern aus Stahl sollte ein direkter Kontakt zum Holz ganz vermieden werden, da dessen Gerbsäure den Stahl angreift.


Für detailliertere Angaben zum Bau von Fussgängerbrücken sowie zum Thema konstruktiver Holzschutz verweisen wir auf die Publikation «Holz-konstruktionen im Wanderwegbau» (BUWAL, 1992; ASTRA 2009). Brücken aus Metall sollten durch spezialisierte Unternehmen erstellt werden.

 

 

5. Stege


Stege eignen sich für die Querung vernässter Stellen und trittempfindlicher Gebiete (Moore, Auen, Verlandungszonen). Sie sind insbesondere dort sinnvoll, wo der natürliche Wasserhaushalt des Bodens nicht gestört werden soll.

Der Oberbau von Stegen besteht meistens aus Holz. Bei tiefgründig vernässten Böden eignen sich dicke Pfeiler aus Rundholz oder Beton als Auflager. Ist die Vernässung nur oberflächlich, genügen als Auflager oft auch dicke Querbalken mit einer Unterlage aus Steinplatten. Für den Bau von Stegen eignen sich dauerhafte Holzarten wie Eiche und Robinie. Aus Umweltschutzgründen wird in Feuchtgebieten auf chemisch behandelte Hölzer verzichtet.


Längere Stege sollten mindestens 120 cm breit sein, damit Wandernde einander bequem kreuzen können und nicht gezwungen sind, auf das angrenzende Terrain auszuweichen. Für das Anbringen von Geländern an Stegen gelten dieselben Empfehlungen wie bei Fussgängerbrücken. Weitere Angaben zum Bau von Stegen sind in der Publikation «Holzkonstruktionen im Wanderwegbau» (BUWAL, 1992 ; ASTRA 2009) zu finden.

 

 

Wichtige Dokumente und Links:


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