Böschungs- & Hangsicherungen

 

Beim Wegebau in Hanglagen entstehen Böschungen, die vor Erosion geschützt werden müssen. Die maximale stabile Neigung von Auftragsböschungen beträgt gut 30 Grad bzw. 60 % (2:3), diejenige von Abtragsböschungen 45 Grad bzw. 100 % (1:1). Bei diesen Neigungen ist eine Begrünung als Erosionsschutz in der Regel ausreichend; bei Böschungen mit grösseren Neigungen sind zusätzliche Verbauungen sinnvoll. Böschungs- und Hangsicherungen sollten durch Fachleute geplant und gebaut werden.

 

 

1. Begrünung und Lebendverbau


Begrünungen und Lebendverbau sind hochwirksame und kostengünstige Methoden für die Böschungssicherung. Das dichte Wurzelgeflecht der Pflanzen festigt den Boden mechanisch. Gleichzeitig entzieht es ihm Wasser, was zusätzlich stabilisierend wirkt. Im Unterschied zu Verbauungen aus unbelebten Stoffen sind Begrünungen und Lebendverbau auf unbeschränkte Zeit wirksam. Eine breite Methodenübersicht findet sich im «Handbuch Bautypen» des Vereins für Ingenieurbiologie (Zeh, 2007).


Rasenziegel
Eine einfache und wirksame Form der Böschungssicherung in unbewaldetem Gelände ist das Aufbringen von Rasenziegeln. Sie werden vor Baubeginn als Quadrate mit ca. 40 cm Kantenlänge ausgestochen und an einer feuchten Stelle zwischengelagert. Auf den fertigen Böschungen werden die Rasenziegel aneinandergelegt und mit Pflöcken befestigt.


Ansaat
Böschungen können auch durch Ansähen von Heugras mit keimfähigen Samen stabilisiert werden. Für Ansaaten sollten regionaltypische Grasarten verwendet werden. Gartenrasen ist nicht geeignet, da dieser nur geringe Stabilisierungseigenschaften enthält. Informationen zu regionalem Saatgut sind bei der Stiftung Info Flora (www.infoflora.ch) oder auf www.regioflora.ch abrufbar. Um die Böschung vor Erosion zu schützen, werden nach dem Ansäen Bahnen aus Natur-Geotextilien (z.B. Jute) ausgelegt und mit Pflöcken befestigt.


Busch- und Heckenlagen
Busch- und Heckenlagen sind Lebendverbauungen für Böschungen oder Hänge. Die stabilisierende Wirkung wird durch parallel angelegte Gehölzreihen erzielt. Bei Buschlagen werden ausschlagfähige Triebe eingebaut, bei Heckenlagen bewurzelte Triebe.


Flechtzaun
Für die Hangstabilisierung mit Flechtzäunen werden Holzpflöcke in parallelen Reihen lotrecht eingeschlagen. Zwischen die Pfosten werden Weidentriebe geflochten, sodass quer zum Hang Zäune entstehen. Anschliessend werden die Flechtzäune mit Erdmaterial hinterfüllt. Nach wenigen Wochen schlagen die Triebe aus und entfalten mit der Zeit eine erstklassige stabilisierende Wirkung.

 


Faschinen
Faschinen sind zu Bündeln geschnürte ausschlagfähige Triebe von Gehölzen. Sie werden vorzugsweise dann eingesetzt, wenn Hänge stabilisiert und gleichzeitig entwässert werden sollen. In einem ersten Schritt werden diagonal über den Hang Gräben gezogen. Anschliessend werden die Faschinen hineingelegt, mit Pflöcken befestigt und leicht mit Erde bedeckt. Das Hangwasser sammelt sich in den Gräben und wird grösstenteils durch die Gehölze aufgenommen. Abfliessendes Wasser kann zusätzlich in einer Längsentwässerung gefasst werden.

 

 

2. Verbauungen aus Holz


Zur Sicherung von steilen Böschungen mit Neigungen von 45 Grad (100 %) bis 60 Grad (175 %) sind neben dem Lebendverbau zusätzliche Bauten aus Holz notwendig.


Holzgrünschwelle, Holzkasten
Holzgrünschwellen, auch Holzkasten genannt, sind für die Sicherung neuer und bestehender Böschungen anwendbar. Interessant sind Holzgrünschwellen besonders zur Sanierung der talseitigen Böschungen, weil der Weg anschliessend über die Schwelle geführt werden kann. Holzgrünschwellen werden wie folgt konstruiert: Auf einer hangwärts geneigten Auflagefläche werden Rundhölzer mit einem Durchmesser von 20 bis 30 cm in regelmässigen Abständen über Kreuz aufgeschichtet, bis ein kastenartiges Gebilde in der gewünschten Höhe entstanden ist. Zur Fixierung werden die Rundhölzer in die Böschung eingeschlagen oder mit Erdankern versehen. Die Schwelle wird mit Erd- und Steinmaterial aufgefüllt und mit standortgerechten Gehölzen bepflanzt.

 

 

Hangroste
Böschungen mit einer maximalen Höhe von 20 m lassen sich mit Hangrosten sichern. Dazu werden lange Kant- oder Rundhölzer mit einem Durchmesser von 10 bis 30 cm über Kreuz auf den Hang gelegt und mit Holzpflöcken oder Armierungseisen im Untergrund fixiert. Zusätzlich wird der Rost am Hangfuss abgestützt. Anschliessend werden die Zwischenräume mit Erdmaterial aufgefüllt und mit Busch- oder Heckenlagen bepflanzt.

 

 

3. Verbauungen aus Stein


Bei Neigungen von mehr als 60 Grad bzw. 175 % werden für die Böschungssicherung in der Regel Bauten aus Stein erstellt.

Trocken- und Blocksteinmauern
Sofern geeignetes Natursteinmaterial zur Verfügung steht, sollten Trockenmauern erstellt werden. Da sie ohne Mörtel oder Beton aufgebaut werden, brauchen Trockenmauern keine aufwändigen Fundamente. Leichte Setzungen oder Bewegungen durch Frost werden von der Mauer abgefedert. Der Bau von Trockenmauern sollte durch Fachleute begleitet werden. Beispiele und Kontaktadressen liefert das Handbuch «Trockenmauern: Anleitung für den Bau und die Reparatur» der Stiftung Umwelt-Einsatz Schweiz (2009).


Sofern die Baustelle mit grösseren Transport- und Hebegeräten erreichbar ist, können auch Blocksteine zur Abstützung von Böschungen eingesetzt werden. Hinter Blocksteinmauern muss ein Geotextil als Schutz gegen das Ausschwemmen der Hinterfüllung verlegt werden.


Steinkörbe
Steinkörbe können als Alternative zu Mauern für die Böschungssicherung eingesetzt werden. Der Aufbau erfolgt gemäss den Empfehlungen des Lieferanten. Steinkörbe sind gegenüber Bewegungen im Baugrund unempfindlicher als Trocken- oder Blocksteinmauern.

 

 

Wichtige Dokumente und Links:

 

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