Ausbaugrad & Bauprojekt

 

Einflussfaktoren für den Ausbaugrad


Der erforderliche Ausbaugrad eines Wanderweges wird im Wesentlichen durch folgende Einflussfaktoren bestimmt:

  • 1. Wegkategorie, Zielpublikum, Benützungsfrequenz und Nutzungsart
  • 2. Topografie und Untergrund
  • 3. Klima

 

 

1. Wegkategorie, Zielpublikum und Nutzungsart


Anhand der Wegkategorie, des Zielpublikums, der erwarteten Benützungsfrequenz und den geographischen Bedingungen wird entschieden, wie breit ein Weg angelegt werden soll, ob eine Fundationsschicht eingebaut wird und ob Kunstbauten erforderlich sind.


Bei der Bauplanung von Wanderwegen sind die Ansprüche anderer Mobilitätsformen (z. B. Rollstuhlfahren, Mountainbiken, Reiten) dann relevant, wenn für den Weg eine gemeinsame Nutzung bestimmt ist. In diesen Fällen soll der Weg so ausgebaut sein, dass er den einzelnen Zielgruppen möglichst gerecht wird und keine Überbeanspruchung der Wegsubstanz auftritt. Mit einem erhöhten Unterhaltsaufwand muss jedoch gerechnet werden. Die Verhütung möglicher Konflikte ist in erster Linie Sache der Netzplanung, beispielsweise durch eine räumliche Entflechtung.

 

 

2. Topografie und Untergrund


Topografie und Untergrund bestimmen die technische Machbarkeit und die Kosten eines Bauvorhabens. Die Qualität des Untergrundes bestimmt zudem, ob eine Fundationsschicht notwendig ist, ob spezielle Massnahmen zur Verbesserung der Tragfähigkeit erforderlich sind (z. B. Geotextilien, Prügelwege) oder ob eine Stelle allenfalls umgangen werden muss.

Stabilität
Humöse Steilhänge oberhalb der Baumgrenze mit wenig Bewuchs sowie feinkörnige sand-, lehm- und tonhaltige Böden sind besonders rutsch- und erosionsgefährdet. Humusabtrag und Entfernen der Grasnarbe sollten hier vermieden werden. Anzeichen für Rutschungen sind z. B. Hanganrisse, kleinräumige Wölbungen oder schräge Bäume.

Versickerung und Tragfähigkeit
Je wasserdurchlässiger und je tragfähiger der Untergrund ist, desto geringer sind die notwendigen baulichen Massnahmen. Böden mit hohem Tonanteil und Moorböden sind wenig wasserdurchlässig. Bei Nässe ist die Tragfähigkeit vermindert und es bildet sich rasch Morast. Solche für den Wegbau problematischen Böden lassen sich anhand vernässter oder durchweichter Stellen erkennen, bei Trockenheit anhand von Rissen und Erosionsspuren. Auch die Zusammensetzung der Vegetation kann Aufschluss darüber geben, ob der Untergrund gut oder schlecht durchlässig ist. Erkennbar sind vernässte Stellen am gehäuften Vorkommen von Binsen, Seggen, Wollgräsern, Schachtelhalmen, Schilf oder auch anhand grossblättriger Blütenpflanzen wie Sumpfdotterblume, Trollblume, Alpendost, Eisenhut u.a.

 

 

3. Klima


Das lokale Klima hat einen erheblichen Einfluss auf die Dimensionierung von Entwässerungen und Kunstbauten. Bei häufigen Starkniederschlägen bestehen erhöhte Anforderungen an die Entwässerung sowie an die Erosionsbeständigkeit und die Stabilität der Wege und Böschungen. Die Höhe von Brücken resp. die Grösse von Durchlässen muss an die Spitzenabflüsse der Gewässer angepasst werden. Stark dem Schnee ausgesetzte Kunstbauten müssen vor Einbruch des Winters entfernt oder verstärkt werden (Schneedruck, Lawinen).

 

 

Bauprojekt


Gemäss den Bestimmungen des Raumplanungsgesetzes (RPG), i.d.R. Bauen ausserhalb der Bauzone, ist der Bau von neuen Wanderwegen bewilligungspflichtig. Die Baubewilligungsverfahren und die einzureichenden Unterlagen unterscheiden sich von Kanton zu Kanton. Auskunft erteilt die kantonale oder kommunale Bewilligungsbehörde. Ein Bauprojekt-Dossier enthält in der Regel folgende Dokumente:

  • Schriftliche Einwilligung Seite Grundeigentum
  • Situationsplan (Massstab 1:1000 bis 1:10 000), mit sensiblen Gebieten und Einbezug historischer Verkehrswege, evtl. mit Parzellengrenzen
  • Typische Quer- und Normalprofile (Massstab 1:20 oder 1:50)
  • Zeichnungen wichtiger Kunstbauten (Massstab 1:20 oder 1:50)
  • Technischer Bericht bei grösseren Vorhaben

 

 

Wenn die Linienführung sensible Gebiete (z. B. Feuchtgebiete, Trockenwiesen, Jagdbann- und Wildruhegebiete) oder inventarisierte Objekte tangiert (z. B. gemäss NHG schutzwürdige Lebensräume, Landschaften, Natur- und Kulturdenkmäler, Moorlandschaften), ist eine Absprache mit den zuständigen kantonalen Ämtern unbedingt notwendig. Auskünfte zum Einbezug historischer Verkehrswege erteilen – je nach Kanton – die Fachstellen für Denkmalpflege, Raumplanung, Tiefbau etc. Empfehlungen zur Erhaltung historischer Verkehrswege sind in der gleichnamigen Technischen Vollzugshilfe des Bundes zusammengestellt.

Unter www.map.geo.admin.ch sind inventarisierte Objekte in einer interaktiven Karte ersichtlich.

Eine Rodungsbewilligung ist für Wanderwege in der Regel nicht erforderlich. Trotzdem sind Bauarbeiten im Wald in jedem Fall mit dem zuständigen Revierförster und dem kantonalen Forstdienst abzusprechen.

Die Baukosten variieren in Abhängigkeit der Geländeverhältnisse und des Transportaufwandes massiv. Zudem ist die Wahl der Materialien ein wesentlicher Kostenfaktor (Minimierung Transportkosten, reduzierter Unterhalt bei guter Dauerhaftigkeit). Für Projekte ab CHF 20 000 Gesamtkosten wird ein detaillierter Kostenvoranschlag deshalb am besten auf der Basis konkreter Unternehmerofferten erstellt.

Je nach kantonaler Gesetzgebung und Grösse des Vorhabens müssen die Bauarbeiten öffentlich ausgeschrieben werden.

Die Zuständigkeiten für den Bau und den Unterhalt der geplanten Weganlagen sowie die Eigentumsverhältnisse sollten bereits im Rahmen der Projektierung geprüft und allenfalls schriftlich festgehalten werden (z. B. Vereinbarung, Eintrag im Grundbuch).

 

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